Helmuth Renzler
banner5
banner4
IF

Rentenabsicherung der Frauen 0

Tageszeitung 06.08.2013 001

Es wäre relativ einfach junge Frauen für das Alter gut abzusichern. Interview in der Tageszeitung vom 06.08.2013

Das heutige Rentensystem ermöglicht es den zukünftigen Müttern schon heute sich für die Altersrente abzusichern. Allerdings braucht es dafür eine verstärkte Unterstützung seitens der Öffentlichen Hand. Die bisherigen diesbezüglich gesetzten Maßnahmen sind zwar gut aber noch nicht völlig ausreichend. Altersvorsorge für Frauen ist ohne all zu großer Anstrengung durchaus möglich und erstrebenswert.

 

“Es wird eine Verbesserung geben”

 

Der Rentenexperte Helmuth Renzler bringt Licht in den Pensions-Dschungel und erklärt: Es wäre relativ einfach, Frauen für das Alter gut abzusichern.

 

Tageszeitung: Herr Renzler, wie sieht die Rentensituation der Frauen in Südtirol aus?

Helmuth Renzler: Das heutige Pensionssystem hängt direkt mit dem Einkommen zusammen. Deshalb ist die Situation der Frauen ziemlich schlechter als früher, weil sie oft bei den Kindern Zuhause bleiben oder sich um ihre pflegebedürftigen Verwandten kümmern

“ In den nächsten fünf Jahren werden die ersten Frauen in Pension gehen, die nur 280 Euro monatlich bekommen”

(Helmuth Renzler)

und dieser Zeit nicht einzahlen. Außerdem haben sie oft ein niedrigeres Einkommen, als die Männer. Nicht weil sie weniger verdienen, sondern weil sie keine Überstunden machen können. Weil sie vielleicht öfter bei den Kindern Zuhause bleiben müssen, wenn diese krank sind.  Das bringt eben dieses neue Rentensystem mit sich.

Worin liegt der große Unterschied zum früheren System?

Bei denjenigen, die vor dem Jahr 1996 bereits 18 Versicherungsjahre hatten, egal ob Mann oder Frau, war ausschlaggebend, wie viel sie in den letzten zehn Jahren vor der Pensionierung verdient haben. Seit 2012 gilt nun die Fornero-Reform: Nun zählen nicht mehr nur die Dienstjahre, sondern auch das beitragsbezogene System.

Was bedeutet das konkret?

Nehmen wir an: Eine Frau, die noch in das alte System fällt, geht in Pension. In den letzten acht Jahren hat sie rund 130.000 Euro jährlich verdient. In den zwei Jahren vorher ungefähr 55.000 Euro. Ihre Pension würde nach altem System rund 3.830 Euro netto ausmachen. Wenn sie die gleiche Karriere macht und die gleichen Voraussetzungen hat, dann bekommt sie im neuen System monatlich rund 1.550 Euro netto, also nur mehr rund die Hälfte. Im Normalfall gehen wir von einem Unterschied von 33 Prozent aus, aber auch das ist noch sehr viel. Und genau diese 33 Prozent müssen heute mit einer Zusatzrente aufgefangen werden.

Die jungen Menschen sind also das Problem?

Für alle jene, die nach 1996 in die Berufswelt eingestiegen sind, ist es wichtig, dass sie möglichst viel verdienen und dass sie so spät wie möglich in Pension gehen. Die Leute werden in Zukunft nicht mehr fragen: Wann kann ich in Pension gehen? Sondern sie werden fragen: Wenn ich jetzt in Pension gehe, wie viel bekomme ich dann? Und dann werden sie entscheiden, ob es genug ist, um würdig zu leben.

In der Rentenproblematik nehmen Frauen nach wie vor eine besondere Stellung ein…

In der Theorie sehe ich bei den Frauen eigentlich kein Problem. Aber man wird umdenken müssen. Seit Jahren dreht sich die Diskussion um die zwei oder drei Jahre Kindererziehungszeit. Das würde höchstens der älteren Generation etwas bringen, nicht aber der jungen. Im Gesetz steht explizit, dass für die Rente nicht die nachgekauften Studienjahre zählen – und auch nicht die Mutterschaftszeiten. Es zählt wirklich nur der eingezahlte Betrag. Deshalb ist viel mehr getan, wenn das Land oder die Region den jungen Frauen mit den Beiträgen helfen. Die Familie muss in dieser Zeit einfach versuchen, mit einem Gehalt über die Runden zu kommen. Natürlich ist es sehr schwierig, mit nur einem Lohn auszukommen. Aber wenn das Land oder die Region für die Zeit, in der die Frau Zuhause bleibt, die Renteneinzahlung übernimmt, wäre sie im Alter schon abgesichert. Nun wurde erst vor Kurzem der Beitrag auf maximal 7.000 Euro für zwei Jahre angehoben. Aber es bräuchte eigentlich rund 13.000 Euro pro Jahr. Dann würde es reichen und es wäre kein Verlust für die Frauen. Aber von der Situation sind wir leider weit entfernt.

Es sieht also nicht gerade rosig aus zurzeit?

Es wird und es muss eine Verbesserung geben. Denn in den nächsten fünf Jahren werden die ersten Frauen in Pension gehen, die nur 280 Euro bekommen. Und damit kann man nicht leben.

Welche Lösung gäbe es hier für die Jugend?

Unabhängig, ob Mann oder Frau, müssen sie heute dafür sorgen, dass sie die entsprechenden Gehälter bekommen. Und wenn sich eine Frau dafür entscheidet, Zuhause zu bleiben, muss sie dafür sorgen, dass sie nicht nur die 7.000 Euro bekommt, sondern die gesamte Summe, die die freiwillige Versicherung ausmacht. Dann haben diese Familien nur mehr den Nachteil, dass sie in diesen Jahren genügsam sein und von einem Gehalt leben müssen. Aber wenigstens brauchen sie sich keine Sorgen mehr um die Altersvorsorge der Frau zu machen.

———————————

Interview: Karin Köhl

Alle Rechte vorbehalten – Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH-Srl

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*