Helmuth Renzler
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Studienjahre nachkaufen: Warum es sich (fast) immer auszahlt

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Was sind ganz konkret meine Vorteile, wenn ich meine Studienjahre nachkaufe?

Hier gibt es mehrere, und verschiedenster Art: Einerseits kann ich durch den Nachkauf in der Regel früher in Pension gehen – wenn auch nicht immer. Zudem erhalte ich eine höhere Pension, vor allem jene, die ab 1996 das erste Mal gearbeitet und sozial versichert waren. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich meine Studienjahre in 120 Monatsraten (also in 10 Jahren) zinslos abzahlen und vom zu besteuernden Einkommen abschreiben kann. Das heißt, ich erhalte einen Teil vom Staat wieder zurück. Selbst kurz vor Erreichen des Pensionsalters kann der Nachkauf interessant sein, da ich ihn jederzeit beantragen kann und auch nicht meine gesamte Studiendauer nachkaufen muss: Fehlen mir also nur ein paar Monate bis zur Pensionierung, kann ich diese aus meinem abgeschlossenen Studium nachkaufen.

 

Was kostet mich der Nachkauf?

Da gilt es zu unterscheiden ob der Nachkauf mit dem lohnbezogenem System oder dem beitragsbezogenem System erfolgt. Beim Nachkauf nach dem lohnbezogenem System, also bei  Studienzeiten vor dem 1. Jänner 1996 ist die Berechnung der Kosten für den Nachkauf etwas kompliziert da er von den in den letzten Jahren vor Antrag auf Nachkauf der Studienjahre bezogenen Entlohnung, dem Lebensalter zum Zeitpunkt des Antrages, des Geschlechtes  des Antragstellers abhängt wobei Frauen in der Regel etwas mehr bezahlen müssen als Männer. Dies begründet sich mit dem Umstand, dass die Frauen eine höhere Lebenserwartung haben als Männer. Bei der Berechnung der zukünftigen Rente des Antragstellers ausschließlich nach dem beitragsbezogenem System ist die Berechnung einfach. Im Normalfall kostet der Nachkauf der Studienjahre 33 Prozent der durchschnittlichen Bruttoentlohnung der letzten 12 Monate vor Antragsstellung. Das heißt, wenn ich ein Bruttojahreseinkommen von 36.000 Euro habe, kostet mich ein Studienjahr 13.000 Euro. Die gute Nachricht: Seit Februar 2019 gibt es die Möglichkeit des vergünstigten Studiennachkaufs. Hier greift als Berechnungsgrundlage nicht die Gehaltssituation des Gesuchstellers, sondern ein Fixbetrag, womit mich ein Studienjahr nur noch rund 5240 Euro kostet. Aber: Diese vergünstigte Form kann lediglich bis 31.12.2021 beantragt werden. Wer also seine Studienjahre nachkaufen möchte, sollte sich dringend innerhalb des kommenden Jahres entscheiden, denn eine Verlängerung der Vergünstigung ist momentan noch nicht in Sicht.

 

Wer kann um den Nachkauf ansuchen?

Wichtigste Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium und mindestens eine Versicherungswoche. Ansonsten gibt es kaum Einschränkungen, es kann jeder Hochschulabschluss der alten Ordnung mit einer Studiendauer von nicht weniger als 4 Jahren und maximal 6 Jahren , jeder Bachelor und/oder Master nachgekauft werden – allerdings immer nur die in Italien vorgesehene Mindeststudienzeit. Selbiges gilt für berufsbildende postuniversitäre Diplome, Spezialisierungsdiplome  mit einer Studiendauer von nicht weniger als 2 Jahren oder Forschungsdoktorate sowie Universitätsdiplome mit einer Studiendauer von nicht weniger als 2 Jahren und nicht mehr als 3 Jahren.

 

Wer kann vom begünstigten Nachkauf profitieren? 

Für den begünstigten Nachkauf können all jene Personen ansuchen, deren Rente ausschließlich nach dem beitragsbezogenen System berechnet wird – also alle, die ab 1. Jänner 1996 studiert  haben oder welche dafür optieren dass ihre zukünftige Rente ausschließlich nach dem beitragsbezogenem System berechnet werden wird.

 

Was, wenn ich bereits vor 1996 studiert habe?

Auch hier gibt es die Möglichkeit, die Studienjahre zum begünstigten Tarif nachzukaufen, allerdings nur, wenn man dafür optiert, die gesamte künftige Rente nach dem beitragsbezogenen System von 1996 zu berechnen. Das bringt jedoch viele in Schwierigkeiten, vor allem, wenn man schon einige Jahre an Rente angereift hat. Das kann sich ungünstig auf die künftige Rentenhöhe auswirken. Hier sollte man sich wirklich überlegen, ob es sich auszahlt, ein paar Jahre nachzukaufen und dafür aber weniger Rente zu erhalten oder ob es in diesem Falle nicht sinnvoller ist die Studienjahre nach der klassischen Berechnungsmethode nachzukaufen.

 

Ich habe vor 1996 begonnen zu studieren und erst nach dem 1. Jänner 1996 fertig studiert. Wie schaut es hier aus?

Für die Studienzeiten vor dem 31. Dezember 1995 wird die Berechnung nach dem lohnbezogenem System vorgenommen und für die Studienzeiten ab 1. Jänner 1996 kann ich für den vergünstigten Nachkauf ansuchen außer ich optiere das meine zukünftige Rente ausschließlich nach dem Beitragsbezogenem System berechnet wird, dann kann ich alle Studienjahre nach dem begünstigten System nachkaufen.

 

Wo stelle ich meinen Antrag?

Den Antrag zum Nachkauf der Studienjahre kann man  bei jedem Patronat stellen oder man kann dies auch selbst über die Homepage des NISF/INPS www.inps.it machen. Lassen Sie sich individuell beraten, denn jeder Fall ist anders und hat somit andere Konditionen. Aber wie gesagt: Auszahlen tut es sich fast immer.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, den Antrag zu stellen?

Faustregel ist weiterhin: Je früher, desto besser. Bis Februar 2019 war dies wichtig, weil der Betrag auf das Bruttojahreseinkommen berechnet wurde und es somit in den ersten Arbeitsjahren weitaus günstiger war. Jetzt ist es vor allem von Vorteil, den Antrag bis 31.12.2021 zu stellen, um den begünstigten Nachkauf nicht zu versäumen. Die Antragsstellung ist nicht bindend: Wenn ich mich anders entscheide und innerhalb von 3 Monaten die erste Rate nicht zahle, verfällt der Antrag automatisch. Und: Ich kann ihn jederzeit wieder stellen.

 

Ich habe im Ausland studiert: Kann ich meine Studienjahre trotzdem nachkaufen?

Für Studienjahre, die innerhalb der EU absolviert wurden, gibt es kein Problem, man muss lediglich den Studientitel in Italien anerkennen lassen – mit Ausnahme von österreichischen Studiengängen, die bereits zum Teil automatisch anerkannt werden. Auch kommt es darauf an, ob es bilaterale Abkommen zwischen den internationalen Versicherungsanstalten gibt. Eine Studienzeit in China kann beispielsweise nicht nachgekauft werden, dafür gib es kein Abkommen.

 

Ich war bei mehreren Versicherungsanstalten versichert. Wo kaufe ich nach?

Eine Voraussetzung für den Nachkauf ist mindestens eine eingezahlte Versicherungswoche aufscheinen zu haben. Das muss nicht zwingend beim Fürsorgeinstitut NISF/INPS sein – auch wenn es dort am günstigsten ist. Man kann die Jahre auch bei den einzelnen Berufskassen nachkaufen, etwa der Rechtsanwaltskassa – allerdings zu anderen Bedingungen. Heutzutage arbeiten die wenigsten ihr ganzes Leben lang in einer Berufssparte, die jungen Menschen wechseln häufig Job und Branche und sind somit auch bei verschiedenen Rentenkassen versichert. Seit 2019 ist es möglich, diese akkumulierten versicherten Perioden zusammenzählen zu lassen und so leichter die Rentenvoraussetzung erreichen zu können. Natürlich kann ich nur bei einer Rentenkassa um den Nachkauf meiner Studienjahre ansuchen, bei der ich versichert war.

 

 Welche Dokumente muss ich bei meiner Antragstellung dabeihaben?

Mitzubringen sind ein gültiger Personalausweis, die Kopie des Studiendiploms sowie eine Bestätigung der jeweiligen Fakultät über die Dauer der Studienjahre.

 

Ich habe den Antrag gestellt, aber er wurde noch nicht bearbeitet. Muss ich mit einem Preisanstieg rechnen?

Nein. Der zum Zeitpunkt der Antragsstellung gültige Preis zum Nachkauf der Studienjahre wird blockiert. Zum Beispiel: Ich stelle im Dezember 2021 meinen Antrag um den begünstigten Nachkauf, und die Berechnung dauert 10 Jahre. Dann zahle ich auch mit der ersten Monatsrate im Dezember 2031 jenen Preis, der 2021 gültig war.

 

Wie erfolgt die Bezahlung der Monatsraten?

Derzeit erfolgt die Zahlung mittels Einzahlungsschein, da ein Dauerauftrag in Südtirol leider noch nicht möglich ist. Dies sollte sich aber bald ändern.

 

Ich zahle bereits meine Monatsraten ab, erlebe aber gerade einen finanziellen Engpass. Was tun?

In 10 Jahren kann viel passieren, und nicht immer bleibt das Geld für den Nachkauf übrig. Wer knapp bei Kasse ist, kann die Zahlung jederzeit aussetzen. Sollte die Aussetzung mehr als 30 Tage lang dauern, muss ein neuer Antrag für den verbleibenden Zeitraum gestellt werden, zu den dann gültigen Konditionen.

 

Ich habe zwar mein Studium abgeschlossen, war aber noch nie rentenversichert. Was dann?

Für ehemalige Studierende, die noch nie rentenversichert waren und noch steuerlich zu Lasten der Eltern leben, gibt es die Möglichkeit, dass deren Eltern um den Nachkauf ansuchen können. Diese können dann 19 Prozent der eingezahlten Beträge von ihrer zu bezahlenden Steuer abschreiben. Günstiger ist es allerdings, das Ansuchen selbst zu stellen.

 

Einige praktische Beispiele:

 

Wenn jemand erst mit einem Lebensalter von 30 Jahren beginnt zu arbeiten:

In diesem Falle bedeutet dies, dass obwohl man die Studienjahre nachkauft, nicht alle die Möglichkeit haben früher in Rente zu gehen. Wer erst mit einem Lebensalter von 30 Jahren zum arbeiten beginnt erreicht die Voraussetzungen für den Bezug einer vorzeitigen Altersrente von 42 Jahren und 10 Monaten an Versicherungszeiten erst mit einem Lebensalter von 73 Jahren. Wenn er nun 4 Studienjahre nachkauft kann er frühestens mit einem Lebensalter von 69 Jahren plus Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung  in Rente gehen also erst nach dem vorgesehen Lebensalter für den Bezug einer Altersrente mit heute 67 Jahren. In diesem Falle würde der Nachkauf der Studienjahre nur eine höhere monatliche Rente mit sich bringen wobei die Erhöhung proportional zu den eingezahlten Beträgen für den Nachkauf ist und somit beim vergünstigten Nachkauf geringer als beim normalen Nachkauf ausfallen wird.

 

Wenn jemand mit einem Lebensalter von 23 Jahren beginnt zu arbeiten:

In diesem Falle lohnt sich ein Nachkauf sicherlich denn dadurch erreicht er die notwendigen 42 Jahre und 10 Monate plus Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung als Mann und 41 Jahre und 10 Monate als Frau schon mit 62 Jahren bzw. 61 Jahren. Wer also früh begonnen hat zu arbeiten für den lohnt sich der Nachkauf auf jeden Falle wobei es auch in einigen spezifischen Fällen sinnvoll ist nachzukaufen um eventuell die Voraussetzungen zu erreichen um mit der Quote 100 oder der Frauenregelung in Rente gehen zu können.

 

Der Beitragsschaden:

Wenn jemand schon vor 1996 rentenversichert war sollte sich genau ausrechnen lassen ob sich für ihn der vergünstige Nachkauf der Studienjahre lohnt da man dabei auf die Berechnung der zukünftigen Rente nach dem gemischten System verzichten muss und dies hinsichtlich der zukünftigen Rentenhöhe beträchtliche Einbußen mit sich bringen könnte.

 

Höchst pensionierbares Einkommen:

Bei der Berechnung der Rente nach dem beitragsbezogenem System gibt es eine Obergrenze von ca. 103.000 Euro jährlich auf welche die Versicherungsbeiträge bezahlt werden müssen. Wer also mehr verdient als diesen Betrag der wird sicherlich, wenn er für das beitragsbezogene System beim Nachkauf der Studienjahre optiert, bei der Berechnung der zukünftigen Rente stark benachteiligt werden da für die Berechnung der Rente für die Versicherungszeiten welche vor dem 1. Jänner 1996 (inklusive Nachkauf der Studienjahre) eingezahlt wurden die letzten 5 bis 10 Jahre Einkommen vor der Pensionierung herangezogen werden.

Es gibt dann noch eine weitere günstige Möglichkeiten des Nachkaufes der Studienzeiten wie etwa für Personen welche zum Zeitpunkt des Antrages auf Nachkauf der Studienjahre nicht beschäftigt sind usw..

Bevor man entscheidet welche Art von Nachkauf man tätigen will sollte man sich auf jeden Falle beraten lassen da jede Position sehr unterschiedlich ist wobei man durch den richtigen Nachkauf sicherlich Vorteile haben wird.

 

Bozen, den 18. Jänner 2021