Helmuth Renzler
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Meine Rede auf der Landestagung der Senioren am 20.11.2015 in Kardaun

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Landestagung der Senioren am 20.11.2015 in Kardaun

In Menschenwürde und Fairness das Alter verbringen

Der Großteil der Südtiroler Bevölkerung wird zunehmend ärmer. Der Kampf gegen die Armut in Südtirol beginnt mit Fairness und Menschenwürde wobei die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit für Jung und Alt im Vordergrund stehen muss. Vollbeschäftigung ist durchaus wieder möglich wenn man schon vorbeugend dafür sorgt, dass älteren Mitarbeiter bis zum Renteneintritt ihr Arbeitsplatz erhalten wird.  Fair ist wenn endlich auch in Südtirol die Steuergerechtigkeit Einzug hält und gleiche Chancen in der Vorsorge für Alle geschaffen werden.   In diesem Bereich konnte in den letzten zwei Jahren einiges erreicht werden indem durch die Einführung des Steuerfreibetrages bei der regionalen IRPEF-Zusatzsteuer von 20.000 Euro und dessen Anhebung auf 28.000 Euro in den nächsten Wochen ca. 104.000 Rentner und Pensionisten von dieser Steuer befreit wurden bzw. werden. Ein schöner Erfolg, aber es reicht noch nicht. In den nächsten Jahren muss diese Zusatzsteuer gänzlich abgeschafft werden. Menschenwürde ist angesagt wenn endlich unter anderem auch die finanzielle Absicherung der Pflegesicherung, und deren Finanzierung auf breitere Beine als bisher gestellt werden muss  wobei besonders auf die Qualität der gewährten Dienstleistung ein besonderes Augenmerk gelegt werden muss und dies sei es bei einer öffentliche Pflege als auch bei einer Privaten.  Die Bekämpfung der Altersarmut  in Südtirol bedeutet aber auch dass endlich die von den lohnabhängigen Arbeitnehmern bezogenen Entlohnungen wieder erhöht werden und der Realität angepasst werden. Dies hat aber  direkt zur Folge, dass sich dadurch auch automatisch die zukünftigen Pensionen der neuen Rentner erhöhen und somit ein weiterer Schritt gegen die Altersarmut durchgeführt wäre. Fair ist somit dass es in Südtirol wieder möglich sein muss mit einem Vollzeitarbeitsverhältnis so viel zu verdienen dass man davon auch wieder normal leben kann. Dasselbe gilt auch für die Renten und Pensionen. Alle diese Anregungen und Forderungen können bei etwas gutem Willen sofort durchgeführt und umgesetzt werden. Der Kampf der Altersarmut in Südtirol muss absolute Priorität erhalten.  Einiges konnte dabei auch erreicht werden aber auch hier gilt es Verbesserungen zu erzielen. Unbedingt notwendig und schnell umzusetzen ist die langjährige Forderung der SVP Senioren nach einer Aufstockung der monatlichen Rente auf 700 Euro für alle jene über 70jährigen und alleinstehenden Rentner und Pensionisten welche außer der selbst bewohnten Eigentumswohnung kein anderes Einkommen haben. Diese Forderung wurde zwar erfüllt, aber durch die Begrenzung der Einkommensobergrenze für den Spesenbeitrag von 7.800 Euro jährlich konnte das vorgenommene Ziel nicht erreicht werden. Deshalb muss für den Anspruch auf die Erhöhung auf 700 Euro monatlich diese Einkommensobergrenze auf 9.100 Euro jährlich erhöht werden und die zustehenden Beträge ohne Belege der ausgegebenen Spesen gewährt werden. Die Anhebung des Renteneinstiegsalters bringt große Herausforderung für die Gesellschaft und die Arbeitswelt mit sich und deshalb ist es sicherlich notwendig dass sich die Partei in Rom mit Ihren Parlamentariern für ein flexibles Renteneintrittsalter ausspricht. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und der Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit und Bildung bedeutet ein verlängertes Erwerbsleben für viele Menschen aber auch vor allem die Chance auf verlängerte berufliche und gesellschaftliche Teilnahme. Die Fortschritte in der Medizin haben dazu beigetragen, die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Südtirol deutlich zu erhöhen. Für viele Ältere sind die Jahre im Alter gewonnene Jahre, die sie bei guter Gesundheit selbstbewusst und selbstbestimmt gestalten wollen. Sie möchten sich mit ihren sozialen, kulturellen und beruflichen Lebenserfahrungen einbringen, sie sind leistungsfähig und stehen neuen technologischen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüber. Mit ihrem Wissen und ihrer Berufserfahrung können sie auch im Erwerbsleben länger aktiv bleiben, sind gefragt und notwendig. Der demographische Wandel erfordert eine neue Bewertung des Alters. Dazu gehören Anerkennung und Förderung des aktiven Alterns. Nicht zuletzt heute noch zögernde Unternehmen sollte vor Augen geführt werden, dass diese Entwicklung insbesondere als Chance zu begreifen ist. Die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters ist vor diesem Hintergrund vor allem auch ein Appell an die Verantwortlichen in den Betrieben und Unternehmen ihre Personalplanung und Arbeitsorganisation auf die sich verändernden Rahmenbedingungen einzustellen. Das geht nur dann gut, wenn Unternehmen Arbeitsplätze und Arbeitsverhältnisse so gestalten, dass sie das Altern der Belegschaften mitmachen, damit ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre besonderen Stärken im Arbeitsalltag auch einsetzen  können und Schwächen kompensiert werden. Neue Formen der Arbeitsorganisation und spezifische, auf die Belegschaft des Unternehmens zugeschnittene Programme zur Personalentwicklung und Weiterbildung werden dafür immer wichtiger.

Zum Schluss möchte ich aber allen politischen Vertretern Danken welche das notwendige Verständnis für die berechtigten Anliegen der Senioren aufbringen. Alle Maßnahmen welche in diesen Bereichen gesetzt werden müssen vorher politisch entschieden werden und von der gesamten SVP anschließend mitgetragen werden. Maßnahmen welche dazu beitragen die Altersarmut einzudämmen dürfen nicht als ein Geschenk einzelner Politiker betrachtet werden sondern müssen   auf  der Grundlage auf einer soliden politischen Entscheidung erlassen werden und dadurch ein unwiderrufliches Recht  werden. Dies gilt es nun aber auch bei der anstehenden Statutenreform der Partei zu bedenken wo die Seniorenbewegung in der Südtiroler Volkspartei ein Vetorecht, so wie dies es auch andere Organisationen fordern, bei der Ernennung der Seniorenvertreter in den einzelnen Ortsausschüssen eingeräumt werden muss. Senioren haben ein Recht darauf dass die von ihnen gestellten Forderungen und Bedürfnisse gleich behandelt werden wie alle anderen Belange des politischen und wirtschaftlichen Geschehens und nicht nur als kleines Übel abgetan zu werden bzw. als Almosen betrachtet zu werden. Jede Maßnahme welche für Senioren gesetzt wird ist ein von der Gesellschaft anerkannte Notwendigkeit und kein Geschenk einzelner Politiker.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen schönen Nachmittag.

Herzlichen Dank

 

Bozen,den 20. November 2015                                                                     Helmuth Renzler