Helmuth Renzler
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Rede anlässlich der Andreas-Hofer-Gedenkfeier 2015 in Frangart 0

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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Landsleute,
liebe Südtirolerinnen und Südtiroler!

Uns Politikern stünde es vielleicht gut an,
angesichts des Niedergangs der Werte
und Ideale eines Andreas Hofers in der Politik
und auch in der Gesellschaft,
an dessen Gedenktag zu schweigen.
Daher bedanke ich mich umso mehr für die Einladung,
hier vor Ihnen reden zu dürfen.
Es sind zwar schon über 200 Jahre her seit Andreas Hofer in Mantua erschossen wurde
und das ist eine lange Zeit,
dennoch ist Andreas Hofer allgegenwärtig.
Denn die Werte, die er vertreten hat
und für die er bis zum bitteren Ende eingestanden ist, sind unvergänglich.
Andreas Hofer war ein Mann der Tat,
und nicht der Worte.
Andreas Hofer war ein einfacher Mensch,
ein Tiroler mit einem starken Charakter,
ein tiefgläubiger Christ.
Er war bereit,
für seine Überzeugungen einzutreten
und dafür sein Leben zu geben.
Er war ehrlich im Gewissen
und beharrlich in der Art.
Das Wohl der Tiroler war ihm wichtiger als das eigene.
Seine Opferbereitschaft in einer Zeit der Armut
und der Kriege unterstreicht seine politische
und menschliche Größe.
Das sind Werte,
die die Zeit überdauern.
Unser Land und vor allem die Menschen hier haben viel erleben müssen;
eine Geschichte mit viel Leid, Blut und Tränen:
Die Kriege und die Teilung Tirols,
die Unterdrückung in der Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus,
die Zerrissenheit in der Optionszeit
bis hin zu den Spannungen der 50er und 60er Jahre.
Eine Geschichte,
die tiefe Spuren
und Wunden hinterlassen hat
und die heute noch spürbar sind.
Lange Zeit wurde von oben herab über uns entschieden und Konflikte wurden mit Waffengewalt ausgetragen.
Nach dem Einzug der Demokratie haben wir heute aber ganz andere Möglichkeiten. Wir sind eine Generation,
die keine Waffen in die Hand nehmen muss,
um sich zu verteidigen.
Stattdessen haben wir hier in Europa eine Staatenordnung
und Spielregeln an die sich die Einzelnen zu halten haben
und welche auch zu unserer Autonomie geführt haben.
Diese gilt es nun weiterzuentwickeln
und auch neu zu verteidigen.
Schlussendlich ist nun der Zeitpunkt gekommen ein 3.,
der heutigen Zeit
und kommenden Jahre entsprechendes Autonomiestatut zu schreiben.
Europa wächst zusammen
und für unser Land ist in diesem neuen Europa eine neue Rolle zu finden
und ein neuer Platz,
so wie es in der Geschichte unseres Landes schon mehrmals der Fall war
und zwar gemeinsam mit den anderen Teilen des seit vielen Jahren zerrissenen Tirols,
aber auch gemeinsam mit den Ländern Europas. Demokratische Entscheidungen haben aber auch mit Geduld und Meinungsbildung zu tun,
sind dafür aber weniger blutig
und in der Regel nachhaltiger.
Gott, Kaiser und Vaterland:
Diese drei Worte waren für die Menschen vor 200 Jahren Leitlinien,
feste Größen,
die nicht hinterfragt werden mussten.
Dafür wäre in der damaligen Welt,
die von Arbeit für das tägliche Brot geprägt war,
auch keine Zeit gewesen.
Heute gibt es beispielsweise soziale Absicherung,
garantierte Schulausbildung
oder einen gut ausgebauten Sanitätsdienst
und wir können uns auch vieles leisten,
was wir gar nicht haben müssten.
Das die meisten von uns heute doch in einem relativen Wohlstand leben können,
geht aber nicht mit einer gestiegenen Zufriedenheit einher.
Trotz spürbarer Wirtschaftskrise hätten wir heute doch viel mehr Grund zuversichtlich in die Zukunft zu blicken,
als dies unsere Vorfahren hatten.
Wir müssen uns immer öfter fragen wo die wirklichen Werte geblieben sind,
der Idealismus
und die Zivilcourage?
Und woran liegt diese tiefe Unzufriedenheit,
welche immer stärker zu spüren ist?
An der Politik oder an der Gesellschaft?
Ich denke wohl an beidem.
Die Politiker selbst sind in den Augen der Bürger schon lange keine Vorbilder mehr,
an denen man sich orientieren
oder mit denen man sich identifizieren könnte.
Es werden von der Politik oft Dinge versprochen,
die niemand halten kann.
Auf der anderen Seite wiederum werden Forderungen an die Politik gestellt,
die das Machbare bei weitem übersteigen.
Es hat sich auch die Gesellschaft verändert:
Mit dem steigenden Wohlstand haben sich die Wertvorstellungen verschoben.
Zwar gibt es auch in der modernen Zeit
Helden und Heldinnen,
wie etwa die Nachbarin,
welche Tag und Nacht ihre kranke Mutter pflegt
oder zum Glück noch viele Südtiroler und Südtirolerinnen, welche sich in Vereinen und Organisationen ehrenamtlich einsetzen.
Ihnen zollen wir zwar Respekt,
doch sind die wahren Vorbilder unserer Zeit,
unsere Idole vielfach andere:
Schauspieler, Popstars und Models,
welche uns Schönheit,
gesellschaftlichen Status
und eine heile Welt vorgaukeln,
wobei man heutzutage unter Wert vor allem aber in erster Linie den Wert des Geldes meint.
Die Zeit ist schnelllebig geworden
und hat uns zu Gehetzten gemacht.
Niemand sehnt die alte Zeit zurück,
niemand möchte die heutigen Annehmlichkeiten missen.
Doch etwas mehr Idealismus
und vor allem ein stärkeres Besinnen auf die wirklichen Werte im Leben würde uns allen sicherlich gut tun.
Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den Zeiten Andreas Hofer und der unsrigen:
Bei Schwierigkeiten stets das richtige Maß der Dinge zu finden.
Die heutige Gedenkfeier sollte also nicht nur dazu dienen Heldenverehrung zu betreiben,
sondern auch ein Moment des Innehaltens sein.
Wir sollten sie zum Anlass nehmen um Fragen zu stellen und wir sollten versuchen auf diese Fragen auch Antworten zu finden.
Wenn wir Tiroler im Sinne Andreas Hofers bleiben wollen, müssen wir uns rückbesinnen auf das was wirklich von Beständigkeit ist.
Es sind dies die Freiheit des Geistes,
die Eigenständigkeit,
die soziale Gerechtigkeit,
die Toleranz,
die Hochhaltung der menschlichen Werte,
die im Laufe der Geschichte gewachsen sind.
Es ist dies die Freiheit im Sinne Andreas Hofers.
Sie ist ein Licht, das auch in unserer Gegenwart leuchten
und uns den Weg in die Zukunft erhellen soll.
Nur so können wir Andreas Hofer aufrichtige Ehre erweisen.
Es lebe die Heimat, es lebe Südtirol, es lebe Tirol!

Herzlichen Dank!

Frangart, 22. Februar 2015

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