Helmuth Renzler
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GESUNDHEITSREFORM: NEUE VERSORGUNGSMODELLE UND KOMPETENZEN SIND GEFRAGT

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GESUNDHEITSREFORM

NEUE VERSORGUNGSMODELLE UND KOMPETENZEN SIND GEFRAGT

 

Die Bedürfnisse der Südtiroler Bevölkerung im Bereich der sanitären und medizinischen Grundversorgung ändern sich rapide. Die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft führt dazu, dass die Anzahl der chronisch Kranken und älteren Menschen ständig zunimmt. Somit muss eine moderne weitsichtige Gesundheitsreform diesem Umstand Rechnung tragen und neue Versorgungsmodelle, Kompetenzen und einen Skill-Mix in der medizinischen Grundversorgung andenken. Diese Herausforderungen sollten von den am meisten involvierten Gesundheitsberufen, den Ärzten und dem Pflegefachpersonal, gemeinsam angegangen werden, um sich nicht in Verteilungskämpfen zu verstricken. Eine Gesundheitsreform welche funktionieren soll, darf und kann nicht einfach Beamten überlassen werden. Diese muss gemeinsam mit Patienten, betroffenen Berufsgruppen und der gesamten Südtiroler Bevölkerung getroffen und durchgeführt werden. Ohne Konsens der Bevölkerung ist eine solche Reform nicht umsetzbar. Wobei allen immer bewusst sein muss, dass die medizinische Grundversorgung ein Grundrecht ist und somit nicht nur nach ökonomischen Gesichtspunkten bewertet werden darf. Der derzeitige

 

STREIT UM DIE SCHLIESSUNG DER GEBURTSSTATIONEN IN EINIGEN PERIPHEREN SPITÄLERN

 

ist ein kleiner Teil dieser Gesundheitsreform, welcher viel umfassender und komplexer ist. Eine solche Maßnahme darf nicht aus einer organischen Gesamtreform des Gesundheitswesens ausgeklammert und als Einzelmaßnahme durchgeführt werden. Deshalb ist die derzeitige Diskussion um die Notwendigkeit der Schließung von peripheren Geburtsstationen und hin zur Konzentration der Geburten in großen Einrichtungen ist der falsche Weg. Kreißsäle sind aufgrund ihrer Notfall-Ausstattung sehr teuer. Wenn sie nicht gut ausgelastet sind, werden sie zum Problem. Daher nun der Versuch Spitäler und Kliniken nach rein wirtschaftlichen Kriterien umzuorganisieren. Spitäler, beziehungsweise der Gesundheitsdienst sparen dadurch außerdem bei der Anstellung von Fachärzten und Fachpersonal. Dies bedeutet wiederum für deren Einzugsgebiet den Abbau von Arbeitsplätzen und somit auch geringere Wirtschaftskraft für die im Einzugsgebiet tätige Wirtschaft.

Die Schließung von Geburtsstationen ist nicht nur ein Südtiroler oder Italienische Phänomen, sondern ist in ganz Europa zu beobachten und betrifft besonders die Spitäler in den strukturschwachen Gebieten mit niedrigen Geburtenraten.

Es kann nicht das Ziel der Südtiroler Gesundheitspolitik sein, Spitäler und Kliniken zu fördern, in denen Geburten wie am Fließband durchgezogen werden. Die Schließung der Geburtenstationen in den peripheren Spitälern Südtirols wäre für den derzeitigen Standort dieser Spitäler und deren Umfeld eine Katastrophe. Südtirol ist ein Bergebiet ist und die Anfahrtszeiten zu den Geburtsstationen sind nicht mit jenen in der Ebene zu vergleichen: 30 bis 50 km in der Ebene sind nicht gleich 30 bis 50 km in Südtirol. Wer täglich auf Südtiroler Straßen unterwegs ist, weiß wovon hier die Rede ist.

Ökonomische Faktoren dürfen und können nicht die einzigen Kriterien bei der Entscheidung über die Schließung von Geburtsstationen sein. Stark zu bewertende Kriterien müssen außerdem die Anzahl der Todgeburten, der Kaiserschnitte und der Betreuung der Gebärenden sein. In kleineren Strukturen sind bekannterweise die Möglichkeiten sanfter Geburten größer als bei Fließbandgeburtsstationen und die Kaiserschnittrate ist niedrig. Die persönliche Begleitung einer Gebärenden vor, während und nach der Geburt ist in überschaubaren Strukturen besser und ein Segen für die Frauen. Denn dadurch wird das Selbstbewusstsein dieser Frauen gestärkt und gleichzeitig wird ihnen ein Gefühl der Sicherheit vermittelt. In großen Strukturen herrscht meist eine unpersönlichere Atmosphäre, wo man von gestresstem Personal betreut wird, welches im Schichtdienst arbeitet. So kommt es auch häufig vor, dass man während der Wehen und bei der Geburt von verschiedenen Pflegepersonen betreut wird. So ein Wechsel trägt nicht dazu bei das Selbstbewusstsein der Gebärenden zu stärken und in ihnen das notwendige Vertrauen und Sicherheit aufzubauen.

 

Die SVP-ArbeitnehmerInnen haben sich von den Anfängen an immer für eine dezentrale Grundversorgung der Südtiroler Bevölkerung stark gemacht und an dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert. Die SVP-ArbeitnehmerInnen sind von der Notwendigkeit einer modernen Reform des Südtiroler Gesundheitswesens, welche darauf ausgerichtet ist den neuen Erfordernissen der Südtiroler Gesellschaft Rechnung zu tragen, überzeugt. Deren Umsetzung werden sie auch unterstützen und befürworten, aber nicht Maßnahmen welche eine Reduzierung der medizinischen und sanitären Grundversorgung vorsehen. Die Schließung von peripheren Geburtsstationen ist eine solche Maßnahme. Solche Absichten können die ArbeitnehmeInnen in der SVP nicht akzeptieren und sagen deshalb ganz klar und unmissverständlich

 

NEIN

 

zur Schließung der Geburtsstationen in Sterzing, Innichen und Schlanders.