Helmuth Renzler
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Kleine Soziallehre: Soziale Sicherheit (allgemeiner Begriff)

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Soziale Sicherheit (allgemeiner Begriff)

Der Begriff der sozialen Sicherheit stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, aus einem sehr schwierigen Kontext, geprägt vom Zweiten Weltkrieg und vom Wiederaufbau. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat bei der Errichtung dieser großen Institution eine wichtige Rolle gespielt: insbesondere hat sie die Erklärung von Philadelphia (1944), das Übereinkommen über die Mindestnormen der Sozialen Sicherheit (1952) und mehrere Instrumente zu ihrer Verbesserung verabschiedet. Die Vereinten Nationen sprechen jedem Menschen das Recht auf soziale Sicherheit zu (Allgemeine Menschenrechtserklärung, 1948; Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, 1966). Die soziale Sicherheit tendiert zu einer globalen Vision: Schutz der gesamten Bevölkerung vor den als am wichtigsten geltenden Risiken oder Eventualitäten.
Nach der klassischen Definition deckt die soziale Sicherheit neun Risiken ab: medizinische Versorgung, Verdienstausfall bei Krankheit, Mutterschaft, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, Alter, Tod, Invalidität, Arbeitslosigkeit, Familienlasten. Nach der funktionalen Definition hat die soziale Sicherheit den Auftrag, den Zugang zur medizinischen Versorgung, zu grundsätzlichen Ressourcen, zum Erwerbsersatz, zur Eingliederung sowie zur sozialen und beruflichen Wiedereingliederung zu garantieren.
Die soziale Sicherheit ist eine komplexe Institution. Sie soll den Menschen dienen und Folgendes kombinieren: einheitliche oder verschiedenartige Auffassungen von Schutz; universelle oder weniger weit greifende Einrichtungen; bedingungslose oder ressourcenabhängige Leistungen in Form von Naturalien, Geld oder Dienstleistungen; verschiedene Schutz bietende Institutionen (Sozialversicherungen, öffentlicher Dienst, Sozialhilfe); öffentliche oder private Sichtweise; an Einnahmequellen gebundene Finanzierungsmodelle (lohn- oder vermögensabhängige Beitragszahlung), direkte und indirekte Steuern oder Anlagen bei Modellen wie Umverteilung, Kapitalisierung, Mischsysteme. Die Sozialversicherung spielt in der Regel eine wichtige Rolle im System der sozialen Sicherheit.
Die soziale Sicherheit bedingt Solidarität zwischen den verschiedenen Einkommensklassen und den Generationen. Die soziale Sicherheit ist heute, wenn auch in sehr unterschiedlicher Intensität (von minimalen Einrichtungen bis zu fast vollständigen Systemen), auf der ganzen Welt präsent. Sie ist eine Hauptform der Umverteilung des Reichtums und dämpft die Schocks, die durch wirtschaftliche Veränderungen und durch die Globalisierung ausgelöst werden.