Helmuth Renzler
banner5
banner4
IF

Zusammenhang zwischen Einkommenssituation im aktiven Arbeitsleben und Altersarmut 0

DSCN2030

Zusammenhang zwischen Einkommenssituation im aktiven Arbeitsleben und Altersarmut

Die Einkommens- und Lebensverhältnisse der älteren Generation weichen stark voneinander ab: Wie in der Gesellschaft insgesamt so stehen auch bei den Älteren den gut Versorgten und Vermögenden jene gegenüber, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Die sozialen Differenzierungen des Erwerbslebens werden auf die Lebensphase des Alters übertragen. Pauschale Aussagen über die älteren Menschen sind deshalb unsinnig. Als Erfolg und Errungenschaft des Sozialstaates bzw. der Gesetzlichen Rentenversicherung kann jedoch gelten, dass in Italien und somit auch in Südtirol die älteren Menschen im Schnitt zur Zeit gut gestellt und versorgt sind. Die Frage ist, ob dies auch für die Zukunft gilt oder die Altersarmut weiter zunehmen wird? Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in Europa und besonders in Italien ist zu befürchten dass die Altersarmut in Zukunft drastisch zunehmen wird. Die Altersarmut hängt nämlich in den meisten Fällen direkt mit der jeweiligen Arbeitstätigkeit im aktiven Leben zusammen. Dies gilt sowohl für Lohnabhängige als auch für Selbständige. Die Altersversorgung beruht in Südtirol zum Großteil auf zwei Grundsäulen und zwar der öffentlichen Rente und das Eigenheim. Durch die Umstellung der Berechnung der öffentlichen Rente vom lohnbezogenem auf das beitragsbezogene System und der damit verbundenen Einkommensobergrenze auf welchen die Rentenbeiträge eingezahlt werden müssen ist eine starke Reduzierung der zukünftigen monatlichen Rentenbeträge vorprogrammiert. Dies gilt nicht nur für die neuen Berufseinsteiger sondern betrifft auch schon die Generation der heutigen 40 bis 45jährigen und ist somit nicht ein Problem welches sich erst in weiter Ferne zutragen wird sondern diese negativen  Auswirkungen werden sich schon in einigen Jahren in ihrer ganzen Dramatick darstellen und spürbar werden und zwar mit den ganzen negativen Folgen für die Südtiroler Gesellschaft und den sozialen Frieden in unserem Lande. Besonders betroffen davon werden die Frauen sein, welche durch die Teilzeitarbeit und die Zeiten welche sie der Erziehung ihrer Kinder widmen, besonders vom neuen Rentenberechnungsmodus betroffen sind da sie durch die Teilzeitarbeit und die Kindererziehungszeiten geringere Rentenbeiträge einzahlen und dadurch auch geringere monatliche Rentenbeträge erzielen. Also doppelt benachteiligt sein werden da sie durch die Umstellung des Berechnungsmodus schon um 33% weniger an Rente beziehen werden und durch die Teilzeitarbeit sowie der Kindererziehungszeiten weniger Rentenversicherungsbeiträge einzahlen so dass sich diese 33% noch weiter erhöhen werden. Damit ist klar, dass die öffentliche Rente in Zukunft für diese Frauen, aber nicht nur, keine genügende Altersabsicherung gewährleisten wird und sie somit die Verlierer dieses neuen Systems sein werden. Das zukünftige italienische Rentensystem beruht auf drei Säulen: 1. Der öffentlichen Rente; 2. Der Zusatzrente und 3. Der privaten Vorsorge. Da, wie gesehen, sich die öffentliche Rente stark reduzieren wird muss die private Zusatzrente diesen Verlust ausgleichen bzw. durch eine private Vorsorge der Altersabsicherung gewährleistet werden. Je niedriger die öffentliche Rente ausfallen wird desto höher müssen die zwei anderen Vorsorgemaßnahmen ausfallen. Diese Vorsorgemaßnahmen sind nicht kostenlos und müssen vom Einzelnen zum Großteil selbst aufgebracht werden und damit fängt das Problem eigentlich an und bedarf des Einwirkens der Politik. Damit verhindert werden kann, dass ein Großteil der Südtiroler Bevölkerung zukünftig von der Altersarmut betroffen wird, gilt es schon jetzt einige Maßnahmen zu setzen:

  • Es muss dafür gesorgt werden das in Südtirol wieder gut bezahlte Arbeitsplätze für Alle geschaffen werden;
  • Es muss dafür gesorgt werden das in Südtirol jeder die Möglichkeit erhält eine gute Ausbildung zu erlangen, denn nur durch eine gute Ausbildung wird es in Zukunft möglich sein auch gute Arbeitsplätze und somit ein gutes Einkommen zu erhalten;
  • Es muss dafür gesorgt werden das in Südtirol jeder Bürger von der Notwendigkeit überzeugt wird sich in einem Zusatzrentenfonds einzuschreiben. Das kann nur gelingen wenn der Arbeitgeberanteil erhöht wird und dadurch  der Rentenzusatzfonds auch eine entsprechende Rendite erzielen kann welche für die Mitglieder des Rentenfonds interessant und erstrebenswert wird;
  • Es muss dafür gesorgt werden das in Südtirol die zukünftige Familienpolitik  so gestaltet wird, dass Frauen welche neben ihren Familienaufgaben in Teilzeit arbeiten rentenmäßig so abgesichert werden als ob sie Vollzeit arbeiten würden und dies sowohl bei der öffentlichen Rentenabsicherung als auch bei der Zusatzrente;
  • Die lokale Steuerbelastung der Arbeitnehmer und Selbständigen muss drastisch reduziert werden bzw. es muss alles daran gesetzt werden bei den Lohnabhängige durch Zusatzverträge die Löhne kräftig anzuheben und dies sei es in der Privatwirtschaft als aber auch im öffentlichen Dienst.

Nur wenn alle diese Maßnahmen durchgeführt und umgesetzt werden kann ein Abrutschen in die Altersarmut eines Großteils der Südtiroler Bevölkerung verhindert werden. Es gilt keine Zeit mehr zu verlieren und die ersten Maßnahmen sofort umzusetzen. Es wird Aufgabe des neuen Landtages und der neuen Landesregierung sein diesem Sachverhalt Rechnung zu tragen und  eine konkrete Lösung dieses Problems voranzutreiben.

Den Zusammenhang zwischen dem Besitz eines Eigenheimes und  der Altersarmut werde ich in einem eigenen Beitrag demnächst analysieren und die entsprechenden Problematiken aufzeigen sowie Lösungsvorschläge unterbreiten.

 

Bozen den 28. Dezember 2013                                                    Helmuth Renzler

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*