Helmuth Renzler
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BESCHÄFTIGUNGSPOLITIK – VORRANGIG FÜR UNSERE ARBEITNEHMERPOLITIK

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ARBEIT VON DER JUGEND BIS ZUR RENTE? ABER WIE?

 

Vollbeschäftigung muss vorrangiges Ziel jeder Sozial- und Arbeitnehmerpolitik sein. Nur durch Vollbeschäftigung kann sich unsere Gesellschaft in Wohlstand und sozialer Sicherheit weiterentwickeln. Die bisher von der italienischen Regierung diesbezüglich gesetzten Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus dieses Ziel zu erreichen. Auch die in Südtirol bisher gesetzten Maßnahmen sind nicht mehr zeitgemäß und müssen dringendst überdacht und neu ausgerichtet werden. Die in den letzten Wochen von der Südtiroler Landesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit sind sprichwörtlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und können nur ganz geringfügig dazu beitragen die Südtiroler Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Aber die Jugendarbeitslosigkeit ist trotz ihres konstanten Anstieges nicht das größte Problem welches sich auf dem Arbeitsmarkt abzeichnet. Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen einen rapiden Anstieg der Arbeitslosigkeit der über 50jährigen an. Durch die neuen von der Regierung Monti beschlossenen Rentenbestimmungen mit einer Erhöhung des Renteneinstiegsalters in den nächsten Jahren auf 67 bis 70 Jahren wird sich das Problem der Arbeitslosigkeit älterer Mitarbeiter dramatisch erhöhen und zuspitzen und unweigerlich zu sozialen Konflikten führen wenn nicht rechtzeitig vorgebeugt wird. Es muss deshalb vorrangiges Ziel einer weitblickenden Arbeitnehmerpolitik für die nächste Legislaturperiode sein, diesem Umstand Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen dass die Arbeitsmarktpolitik und somit die Vollbeschäftigung wieder ein prioritäres Ziel der neuen Landesregierung sein muss. Vollbeschäftigung bedeutet Wohlstand und Zukunft für Südtirol. Aber wie jede Maßnahme welche Beschäftigung und somit Lebensqualität und Wohlstand mit sich bringt kann man dies nicht kostenlos erzielen. Die zukünftige Landesregierung ist deshalb aufgefordert die dafür notwendigen Mitteln zur Verfügung zu stellen wobei es mit einer Million Euro bei weitem nicht getan ist. Vollbeschäftigung muss wieder das Ziel sein und dies kann der Wirtschaft nicht allein überlassen werden. In diesem komplexen Themenbereich müssen die einzelnen finanziellen Anreize welche zur Verfügung gestellt werden sehr differenziert betrachtet werden wobei es aber unbedingt zu vermeiden gilt, dass es im harten Wettbewerbskampf auf dem Arbeitsmarkt zu einer Konfrontation zwischen jungen und älteren Arbeitslosen kommt. Es müssen Lösungen gefunden werden welche die Bedürfnisse beider Alterskategorien gleichmäßig berücksichtigen. Die Fachgruppe Arbeit, Rente und Steuern wird in den nächsten Tagen und Wochen ein Konzept erarbeiten in welchem wir unsere Vorstellungen und entsprechende Lösungsvorschläge erarbeiten und  am dann in einer Pressekonferenz am 11. April 2013 der Öffentlichkeit vorstellen werden. Im Jänner 2013 musste in Südtirol eine Arbeitslosenquote von 6,2% verzeichnet werden wobei dieser Prozentsatz bei den Männern bei 5,9% und bei den Frauen bei 6,5% lag. Aber diese Zahlen trügen den in ihnen sind die vielen Beschäftigten welche mit einem zeitlich befristeten Arbeitsvertrag beschäftigt sind nicht enthalten und für die auch eine positive Lösung gefunden werden muss. Es sei hier daran erinnert das im Jahr 2011 in Südtirol von 144.149 lohnabhängigen Arbeitnehmern (83.707 Männer und 60.442 Frauen)  26.394 (10.910 Männer und 15.484 Frauen) mittels eines zeitliche befristeten Arbeitsvertrages beschäftigt waren, also potenzielle Kandidaten für eine zukünftige Arbeitslosigkeit. Zu diesen 26.394 Arbeitnehmern mit einem zeitlich befristeten Arbeitsvertrag muss man noch 11.885 Saisonsarbeiter (5.193 Männer und 6.692 Frauen) hinzuzählen. Die Analyse könnte noch weiter ergänzt werden durch die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten, der Hausangestellten und der landwirtschaftlichen Arbeiter. Aber nicht vergessen darf mit die große Anzahl der Projektarbeiter deren Situation wohl die schlechteste auf dem Arbeitsmarkt darstellt und deren Situation unbedingt verbessert werden muss. Im Jahr 2011 waren in Südtirol 6.996 Personen ausschließlich mit einem Projektvertrag beschäftigt und diese Zahl sollte zu denken geben.

Bozen, den 21. Oktober 2013                                                                              Helmuth Renzler